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Fleisch oder vegan: Welche Ernährungsform ist die beste?

nahrungsmittelunverträglichkeit

Es herrscht ein Krieg zwischen Fleischessern und denen die es meiden. Aber lässt man die ethischen Aspekte einmal außen vor: Welche Ernährung ist im Endeffekt gesünder?

,,Entweder ganz oder gar nicht" heißt es dann oft, wenn sich Menschen entscheiden veggie zu werden. Wenn sie aktiv in die Politik einsteigen oder einer Religion beitreten (obwohl Religion häufig dem Annehmen einer bestimmten Ernährungsform gleich kommt). Aber lässt sich das so schwarz und weiß auf Ernährung übertragen? Ist entweder Fleisch essen oder Veganismus gesund? Oder ist es die goldene Mitte bzw. gibt es hier überhaupt einen Mittelweg? Ich finde dieser Spruch hat seine Daseinsberechtigung, wenn es um Ernährung geht muss ich ihm aber widersprechen. Lasst mich auch erklären warum.

Mein Eltern haben aufgehört Fleisch zu essen, noch bevor meine Mama mit mir schwanger war. Sie waren also Vegetarier. Eine "Spezies", die damals noch nicht mit zahlreichen, etikettierten Lebensmitteln beglückt wurde, sondern der man nachsagte, nicht mehr ganz dicht zu sein. Ich wurde also als hundertprozentiges veggie-Baby geboren und hatte bis ich 22 Jahre alt war – mit Ausnahmen von wortwörtlich zwei Häppchen ,,probier doch mal wenigstens" – noch nie im Leben Fleisch gegessen. Doch dann fingen die Unverträglichkeiten an. Am 20.04.2015 kam der Tag, der mein Leben veränderte. Okay weniger dramatisch formuliert: Der Tag, der meine Beziehung zum Vegetarier-sein nachhaltig prägte. Aber schaut selbst (bei mobiler Nutzung die Bilder einfach mit dem Finger ranzoomen):

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Der ALCAT Test auf Nahrungsmittelunverträglichkeit

Als ich diese Ergebnisse des Allergen-Stimulationstests auf Nahrungsmittelunverträglichkeit in den Händen hielt, war ich schon geschockt. Ich saß vor meinem Arzt auf dem Stuhl und mein Hals war wie zugeschnürt. ,,Ja, das sind in der Tat viele Unverträglichkeiten und ich rate Ihnen dringend dazu Fleisch zu essen". Ich sagte immer noch nicht wirklich was und nickte nur mechanisch mit dem Kopf. Wieder zu Hause, warf ich mich – kein Scherz – aufs Bett und fing an zu heulen. Das war die reinste Ironie. Alles, was ich bisher mein Leben lang gegessen hatte (Brot, Kuchen, Milchprodukte, meine geliebten Äpfel etc.) sollte jetzt schlecht für mich sein. Fleisch hingegen zeigte keinerlei Reaktion (genauso wie die gesamte Palette der E- und Farbstoffe, ja lustig, herzlichen Glückwunsch).

In den nächsten Wochen durchlief ich so ein bisschen die 5 Phasen der Trauer.

Zu Beginn ging ich – ohne jetzt zu übertreiben – ignorant in den Supermarkt und warf Haribos, Oreos, Eis, Tiefkühl-Käsekuchen, Giotto und Chips in den Einkaufswagen. Dann hab ich mich beim letzten Abendmahl vollgestopft und mich danach super schlecht gefühlt. Dann sagte ich mir, ach Nahrungsmittelunverträglichkeits-Tests sind eh nicht wirklich wissenschaftlich belegt. Besser ging's mir dadurch aber auch nicht. Also fing ich doch gefrustet an Rezepte aus der geschrumpften Auswahl an verträglichen Lebensmittel zu kreieren. Dabei entdeckt ich zum ersten Mal Süßkartoffeln (normale waren ja ab jetzt verboten). Ich sag nur Liiebe.

Trotzdem wurden die nächsten sechs Wochen extrem hart. Ich fokussierte mich komplett auf die gelben und grünen Lebensmittel im ALCAT Test. Dabei wurde mir schnell bewusst, ich komme um Fleisch und Fisch so dauerhaft nicht mehr herum. Mir ging es gar nicht gut, ich war schwach, ausgelaugt, unglücklich. 24/7 nur Ofengemüse mit Naturreis oder Rote Bete Carpaccio mit Quinoa, naja ihr könnt's euch sicher denken: gesund aber nicht ausgewogen.

Das erste Mal im Leben Fleisch

Mein Großtante brachte mir also extra eine Hühnchen-Brust vom Brandenburger Bauern ihres Vertrauens mit. Es wurde liebevoll zubereitet und ja ich habs gegessen. Es war eine extreme Überwindung, das erste Mal im Leben richtig Fleisch zu essen, aber wenn Du weißt, es ist ein Lebensmittel was ausnahmsweise keine Schmerzen macht, dann ist das ein überzeugendes Argument. Vertragen hab ich es einwandfrei – natürlich. Trotzdem war klar, ich werde auf keinen Fall anfangen jeden Tag Fleisch zu essen.

Fragt ihr euch jetzt was das mit ,,entweder ganz oder gar nicht" zutun hat? In den 6 Wochen extremer Eliminierungsphase ging es mir überhaupt nicht besser. Deshalb lockerte ich meine Diät, um mich step-by-step heranzutasten. Ich wollte für mich die beste Ernährungsweise finden und das ging nicht von heut auf morgen.

In den letzten drei Jahren hab ich (immer mit den Ergebnissen des Nahrungsmittelunverträglichkeit Tests im Hinterkopf) folgende Ernährungsformen und Diäten ausprobiert:

Vegetarisch

Die Ernährungs- und Lebensweise, die Fleisch zu 100 % vom Speiseplan streicht. Milchprodukte, Lederwaren, Gelantine und andere tierische Produkte (Honig etc.) werden gegessen bzw. verwendet. Dazu muss ich wohl nicht mehr viel sagen 🙂 Vom Tag meiner Geburt bis zum 22. Lebensjahr war ich zu 100% Vegetarierin. Meine Schwestern ebenfalls und die sind bis heute kerngesund und haben keinerlei Intoleranzen.

Glutenfrei

Die Landwirtschaft nutzt heute überwiegend gezüchtete Sorten von Soja, Weizen oder anderen Pflanzen die besonders ertragreich sind. Nicht erst die Gentechnik, sondern auch die konventionelle Pflanzenzüchtung hat dabei die genetische Ausstattung unserer Nutzpflanzen über die Jahrzehnte verändert. Ein Ergebnis solcher Veränderungen ist, dass der Gehalt an Proteinen deutlich gestiegen ist. Tierversuche haben ergeben, dass einige dieser Proteine für uns äußerst schwer verdaulich sind. [...]Die genetische Veränderung hat zu einer höheren Glutenkonzentration geführt, die mit einer Zunahme von Nahrungsmittelalergien und -unverträglichkeiten in Verbindung gebracht wird. (Blum 2015, S. 33)

Der ALCAT Test zeigte zwar keine Reaktion auf Gluten, aber eine dunkelrote auf Gliadin (ein Bestandteil von Gluten,  läuft also auf das Gleiche hinaus). Da ich eh schon viele glutenfreie Alternativen gespottet hatte, dachte ich mir, fang ich doch mal damit an.

3 Monate hab ich 100 % glutenfrei gegessen und dabei auch viele Fehler gemacht: zahlreiche Ersatzprodukte wie Baguettes, Brötchen oder Müsliriegel (z.B. von Schär) enthalten nicht nur große Mengen an Stärke, sondern auch massenhaft industrielle Zucker und Zusatzstoffe – also alles andere als gesund. Dementsprechend hatte ich gesundheitlich keine Erfolge.Nach ca. vier Wochen gar keine Lust mehr darauf, das geliebte Dinkelbrot von Alnatura gegen ein glutenfreies austauschen. Dann dachte ich um. Einfach nur gewohnte Lebensmitteln mit Ersatzprodukten auszutauschen funktionierte nicht, Kreativität war gefragt. Statt gf Brot gab's jetzt Porridge mit glutenfreien Haferflocken und statt Kuchen Bananen Brot mit Nüssen und Süßkartoffel-Brownies (absolut himmlisch).

Zuckerfrei

Wenn es um unterschiedliche Ernährungsweisen geht, treffen häufig Welten aufeinander. In einem sind sich aber alle einig: Zucker ist der Feind. Weißer Haushaltszucker ist die Volksdroge Nummer eins und auch meine liebe Ärztin sagt dazu folgendes:

Wenn Zucker an die Oberfläche einer beliebigen Körperzelle bindet, setzt er eine Kettenreaktion in Gang, die zu Enzymveränderungen in der Zelle führt und sie zur Bildung von allen möglichen Entzündungsmediatoren veranlasst. Passiert das täglich über einen langen Zeitraum, macht es krank.

Von raffiniertem Zucker hab ich mich verabschiedet, als ich meine glutenfrei Phase gesünder gestaltete. Es gibt zahlreiche, wunderbare Alternativen wie Dattel-, Yacon-, und Ahornsirup, ganze Datteln, Xylit, Erythrit oder fructosefreien Reissirup zum Beispiel. Bis heute benutze ich zu Hause keinen raffinierten Zucker mehr.

Paleo

Die Steinzeiternährung orientiert sich ganz an den vermutlichen Ernährungsweisen unserer Vorfahren. Anhänger vertreten die Theorie, dass unsere Verdauung mit Lebensmitteln – die ein relativ junger Bestandteil unserer Ernährung sind – nicht gut klar kommt. Industriell verarbeitete Produkte, Milchprodukte, Getreide oder raffinierte Zucker fallen so zum Beispiel gänzlich weg. Auf dem Speiseplan stehen hochwertiges Fleisch, Fisch, Gemüse, Nüsse, Samen, fructosearmes Obst (all das, was bei dem ALCAT Test bei mir keine Reaktion zeigte). Ein Wink mit dem Zaunpfahl? Ist Paleo die perfekte Ernährungsform? Diese Gedanken kamen mir nach gut 5 Monaten, weil nur glutenfrei, zuckerfrei und weniger Milchprodukte essen immer noch nicht das Wahre waren.

Auf Milch verzichten? Gar kein Thema. Pflanzliche Alternativen wie Kokos-, Reis-, Hafer-, Hanf-, Mandel-, oder z.B. Erbsenmilch gibt es viele (ich hab seit 3 Jahren keine Milch mehr gekauft). Auf Käse, Jogurt, Quark und Sahne verzichten? Hart. Vermehrt Fisch und Fleisch essen? Ja das war auch nicht ohne. Aber schließlich hatte ich die Mission, die beste Ernährungsweise zu finden.

Meine hardcore Paleo Zeit ging nur ca. einen Monat, bis ich sie wieder lockerte. Ich hab noch nie so viel Fisch und Fleisch (Lachs und Geflügel hauptsächlich) gegessen, wie zu dieser Zeit. Allgemeine Verträglichkeit ? Wirklich gut! Da ich aber gerade asiatische Gerichte, sprich Sushi, Thai-Curry etc. auch extrem gut vertrage – Stichwort Reis 🙂 hab ich das auch wieder angefangen  zu essen – ganz einfach. Inzwischen war ich komplett von allen Milchprodukten weg und das hat sich sehr gut angefühlt.

SCD

Während meiner Paleo Phase hab ich mich auch intensiver mit der SCD beschäftige. Ein spezielle Ernährung für Menschen mit CEDs. Teilweise erinnert sie mich ein bisschen an Paleo, andererseits aber auch überhaupt nicht. Für mich persönlich ist die SCD nicht das Richtige, da ich viele der verbotenen Lebensmittel einwandfrei vertrage und viele erlaubte Lebensmittel nicht gerne esse. Hier aber an alle Spoonies: Wenn ihr diese Ernährungsform noch nicht ausprobiert habt, unbedingt tun! Viele CEDler berichten von großen Erfolgen.

Vegan

Wie lang ich mich "Paleo-inspiriert" ernährt habe, weiß ich nicht mehr genau. Ich weiß aber, dass ich mich irgendwann nur noch schlecht gefühlt habe, wenn ich Fisch und Fleisch gegessen hatte. Nicht aufgrund der Verträglichkeit. Nein, wegen der ethischen Aspekte. So kam eins zum anderen und ich entschied mich, ich werde vegan. Ich aß ja inzwischen eh nur noch Milchprodukt-Alternativen und wusste als ehemalige Vegetarierin sehr gut wie man fleischlos kocht. Auch vom Kopf fühlte es sich für mich am gesündesten an, nur rein pflanzlich zu essen.

Über ein viertel Jahr lebte ich 100% vegan. Warum nicht länger? Diese Antwort kann euch wohl nur mein Körper selbst geben. Während ich viele Lebensmittel – die damals beim ALCAT Test rot waren – heute wieder ohne Probleme essen kann (Äpfel, Knoblauch, Blaubeeren usw.), muss ich einsehen, dass der Test bei vielen Lebensmitteln recht hatte und das bis heute so geblieben ist. Viele pflanzliche Proteinquellen zum Beispiel wie Soja, Kichererbsen oder Linsen, kann mein Körper gar nicht gut verarbeiten. Geflügel, Rind, Fisch etc. dagegen ohne Probleme.

Rohkost & Paleo Vegan = Pegan

Weil ich bei der veganen Ernährung auch noch nicht 100% glücklich werden konnte, habe ich weiter herumexperimentiert. Neben der Rohkost – wie der Name schon sagt frische, unerhitzte, hauptsächlich pflanzliche Lebensmittel – bin ich auch auf Pegan gestoßen. Ja im Ernst, ihr dachtet die vorherigen Ernährungsformen waren extrem? Pegan ist die Verschmelzung von Paleo-Ernährung und Veganismus. Da bleibt tatsächlich nicht mehr viel übrig. Der Vorteil hier ist aber, dass diese Lebensmittel immer rein pflanzlich, glutenfrei und zuckerfrei sind. Es gibt dazu auch sehr tolle und kreative Rezepte (bei Interesse kann ich gerne mal ein paar auf meinem Blog veröffentlichen).

Was ist also letztendlich die beste Ernährungsform?

Was ,,bin" ich? Vegan? Glutenfrei? Paleo?

Meiner Meinung nach ist "happy" die beste Ernährungsweise. Ja ich weiß, dieses Label gibt es offiziell gar nicht – aber vielleicht ist gerade dies das schön daran. Ich bin ,,happy" und irgendwo dazwischen. Ich esse das, was sich heute für mich gut anfühlt und mir gesundheitlich gut tut.

Wenn du dich gut dabei fühlst, diese Chips zu essen, tu es. Wenn du dich danach aber jedes Mal schlecht und ungesund fühlst oder Bauchschmerzen bekommst, werde kreativ und finde Alternativen! Essen was sich gut anfühlt muss auch nicht nur bedeuten, dass es gut verträglich ist oder z.B. beim Abnehmen hilft. Es kann auch bedeuten, dass du gerne biologische Lebensmittel isst, weil dich das glücklich macht. Oder für dich fühlen sich rein pflanzliche Produkte, die nachhaltiger sind und Tierleid nicht unnötig fördern, am besten an.

Für mich bedeutet "happy" auch, mir im Ski-Urlaub in Österreich keinen Stress zu machen und auf der Hütte dann doch mal den Kaiserschmarn mit Zucker und Alpenmilch zu essen. Denn genau das fühlt sich für mich in diesem Moment gut an und witziger Weise hab ich da auch nie Bauchschmerzen. In Berlin hingegen tut mir das nicht gut und ich bleib immer bei meinen pflanzlichen Pancakes.

ganz oder gar nicht ?

Ich bin definitiv der Meinung, dass es gerade zu Beginn einer Ernährungsumstellung wichtig ist, auch mal mindestens drei bis zwölf Monate komplett zu verzichten (beispielsweise auf Milchprodukten, Gluten und Zucker). Wenn es sich gut anfühlt, okay, dann für immer. Denn mit dieser Detox-Phase, so war es auf jeden Fall bei mir, kommen erst diese natürlichen Instinkte des Körpers wieder. Natürliches Instinkte und Körpergefühl, was wir bei einer westlichen Standardernährung zwischen Fastfood und Heißhungerattacken oft verlernt haben.

Trotzdem kann ich in Bezug auf Ernährung nur sagen, dass es eben nicht nur schwarz und weiß gibt. So einzigartig wie wir alle sind, ist häufig eben auch die Ernährung, die uns gesund und glücklich macht.

Oder seht ihr das anders?

Ganz viel Liebe geht mit diesem Blogbeitrag auch an Anina (meine vegane Queen) aus der Schweiz und die liebe Alina (sie lebt aufgrund ihrer Nahrungsmittelunverträglichkeiten nicht 100 % vegan). Wir hatten nämlich zu dritt ein wundervolles Date in Berlin und haben genau über die Thematik gesprochen. Diese Gespräche haben mich auch dazu motiviert, dass Ganze endlich mal aufzuschreiben. Fühlt euch fest gedrückt ♡

 

 

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2 Comments

  • Reply
    Sandra
    7. September 2018 at 19:01

    Vielen Dank für deine Worte! Ich weiß genau wie du dich in diesen Monaten gefühlt haben musst. Ich bin generell der Meinung, dass es nicht die eine richtige Ernährungsweise für jeden Menschen gibt. Jeder hat eine andere Veranlagung und braucht dementsprechend andere Lebensmittel. Ich hatte auch einige Unverträglichkeiten, austesten habe ich mich in der Praxis Natur Heilung lassen, gefolgt von einem Beratungsgespräch. Mittlerweile geht es mir richtig gut, noch dazu ernähre ich mich viel bewusster.
    Liebe Grüße,
    Sandra

    • Reply
      Anna
      8. September 2018 at 15:50

      Liebe Sandra, vielen vielen Dank für Deinen lieben Kommentar! Echt super, dass du so eine kompetente Praxis gefunden hast, wo dir auch richtig geholfen wurde. Das beruhigt mich voll, du bringst es nochmal so schön auf den Punkt! Ich wünschte noch mehr Menschen würden verstehen, dass es nicht immer nur schwarz und weiß bei der Ernährung gibt. So ist es auch immer sehr kompliziert zu erklären, was man denn nun „is(s)t“ 🙈.

      Ganz herzliche Grüße aus Berlin 🙂
      Anna

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